Ellenbogendysplasie

Autor: Maria


Auftreten von ED

Bei vielen, man möchte fast sagen allen Welpen und Junghunden treten irgendwann während der Wachstumsphase Lahmheiten der Vordergliedmaßen auf. Dies kann allein schon durch einen unglücklichen Sprung oder durch ein zu wildes Spiel entstehen, dennoch ist Vorsicht und intensive Beobachtung geboten. Bei Lahmheiten, die länger als eine Woche auftreten sollte der Hund unbedingt beim Tierarzt vorgestellt werden. Dieser wird das Gelenk betasten, den Gang beobachten und Röntgenaufnahmen machen, die erschreckende Diagnose kann dann ED (Ellbogendysplasie) lauten. Gerade große Rassen sind davon betroffen, da ihre Knochen länger wachsen, damit auch länger anfällig für Störungen sind und mehr Gewicht tragen müssen.


Ursachen der ED

Eine Dysplasie an sich ist erstmal nur eine fehlerhafte Entwicklung des Gelenkes, die drei Ursachen hat. Als erste Ursache ist die genetische Vererbung zu nennen. Sie ist die wichtigste und hier müssen die Züchter ganz deutlich an ihre Verantwortung erinnert werden! Nur durch konsequenten Ausschluss von betroffenen Tieren können wir die Dysplasie aus den Rassen verdrängen und gesunde Hunde erhalten. Der Weg der Vererbung ist noch nicht klar, weil mehrere Gene daran beteiligt sind und so kann noch kein Hund auf die Veranlagung zu dieser Krankheit getestet werden. Die Zucht muss deshalb jedes Individuum einzeln prüfen. Der zweite Faktor ist eine falsche Fütterung. Viele Fertigfuttersorten gehen bei Welpensorten verschwenderisch mit den Proteinen um. Ein Welpenfutter sollte möglichst wenig Eiweiße enthalten, am besten zwischen 20 und 25 %. Nur ein schlanker und langsam wachsender Hund wird gute und starke Knochen ausbilden. Wächst ein Hund zu schnell, hat die Knochenstruktur nicht genügend Zeit zur Entwicklung und zur Einlagerung von Kalzium und anderen Elementen. Diese Knochen bleiben weich, schwach und bilden sich ungleichmäßig aus. Der dritte Faktor ist die Belastung. Viele Besitzer meinen es gut und machen besonders lange Spaziergänge mit Welpen und Junghunden. Das ist nicht nur verhaltenstechnisch falsch, sondern auch eine Katastrophe für Gelenke. Die weichen Knochen werden regelrecht abgelaufen. Eine Viertelstunde Spaziergang reicht für einen jungen Hund vollkommen aus, lieber sollte er viel kennen lernen, als weit laufen. Auch das Treppensteigen ist mit Vorsicht zu genießen. Wenn möglich sollte der Hund so lange wie möglich die Treppen rauf und runter getragen werden. Ich selbst habe Moray getragen bis er 30 Kg wog und damit die Hälfte meines Gewichtes besaß. Sprünge sind absolut tabu. Der Besitzer darf den Hund auf keinen Fall dazu ermutigen, denn er wird früh genug waghalsig werden. Besonders stürmische Hunde muss man vor sich selbst schützen und ihnen Ruhepausen auch zwangsweise verordnen.


Drei Arten von Ellenbogendysplasie (ED)

Die Ellbogen- Dysplasie hat drei Gesichter: OCD (Osteochondrosis dissecans), FPC (Processus coronoideus med. ulnae) und IPA (isolierter Processus anconaeus). Die Namen hören sich so kompliziert und verstrickt an, wie die ganze Krankheit in der Tat ist. Es treten durchaus zwei der genannten auch zusammen auf. Rüden sind, da sie insgesamt größer und schwerer werden als Hündinnen, häufiger betroffen. Zu 50 % sind bei den Betroffenen beide Gelenke befallen. Im folgenden erkläre ich die einzelnen Formen und schildere zum Schluss unseren Umgang damit.



Typische ED-Manifestationen
1 Stufenbildung zwischen Elle (Ulna) und Speiche (Radius)
2 Isolierter Processus anconaeus
3 Fragmentierter Processus coronoideus medialis
4 OCD des medialen Condylus


OCD

Die Gelenkrolle des Oberarmknochens passt nicht optimal in die Gelenkfurche der Elle. Als Folge bilden sich durch ungemäßen Abrieb Verletzungen am Knorpel (Knorpelläsionen). Oft bildet sich Athrose im Gelenk. Bei einer Operation können lädierte Stellen begradigt werden und dem Hund somit Schmerfreiheit gewähren und die Funktion des Gelenks wieder herstellen. Es ist allerdings zu beachten, dass die Arthrose damit nicht behoben ist und weiter als zu behandelnde Krankheit bestehen bleibt.


FPC

Die häufigste Entwicklungsstörung, meistens treten die Lahmheiten hierbei in einem Alter zwischen vier und sechs Monaten auf. Die Schädigung entsteht im Gelenk dadurch, dass ein Stück des Knorpels abbricht und weil es im Gelenk verbleibt und sich dort bewegt, dem Hund Schmerzen bereitet. Symptome sind ein starkes Lahmen. Der Hund bewegt sich nicht mehr gern und möchte nur noch liegen. Die Beine werden beim Gehen auffällig nach außen gedreht. Der Tierarzt kann in einer OP den freien Knorpel- Splitter entfernen. Auch hier bildet sich leider häufig eine Arthrose. Etwa 90 % der Betroffenen leiden auch an OCD.


IPA

Hier fehlt die knöcherne Verbindung des Knochenvorsprungs zur Elle. Eine kleine Belastung reicht aus, um den Processus los zu lösen. In 20 bis 35 % der Fällen tritt es auf beiden Seiten auf. Es beginnt meist im Alter von sechs bis zwölf Monaten . Die Hunde weisen einen sehr auffälligen Gang auf, bei dem sie die Ellbogen anziehen und die Pfoten nach außen drehen. Während des Laufens werden die Schmerzen schlimmer. Auch hier kann operiert werden.


Unser Hovawart Zorro hat ED!

Auch bei unserem Hovawart Zorro traten ab dem fünften Monat unregelmäßig wiederkehrende Lahmheiten oft nach langen Liegezeiten und Spiel auf. Manchmal hielten die Lahmheiten über Tage, manchmal waren sie eine Woche wie weggeblasen. Wir wollten natürlich nicht gleich Alarm schlagen und beobachteten das Ganze relativ lange, vielleicht zu lange, bevor wir ihn zum Tierarzt brachten.
Dieser Tierarzt verharmloste die Lahmheiten und stempelte uns als "überkandidelt" ab. Die Lahmheiten verstärkten sich jedoch. So fahndeten wir im Internet nach unserer Katzentierärztin, die die Tierarztpraxis gewechselt hatte und wurden fündig. Schnell erhielten wir einen Termin und mittels der Röntgendiagnostik war sofort klar: es ist Ellenbogendysplasie.
Der erschreckende Befund, dass Zorro im Alter von knappen sieben Monaten im linken Ellbogen OCD und FPC hatte.
Die OP wurde so schnell, wie möglich anberaumt. Trotzdem mussten wir aufgrund der Urlaubssituation und der OP-Planung noch 2 Wochen auf einen OP-Termin in der tierärztlichen Hochschule Hannover warten. In dieser Zeit musste Zorro komplett ruhig gestellt werden, was bei einem bewegungsfreudigen jungen Hund einem Deseaster gleicht.
Dann am 11.08.08 wurde der Knorpelsplitter entfernt und die aufgerauhten Stellen geglättet. Trotzdem gab es keine Entwarnung: Das Gelenk war schon von Arthrose befallen.
Dann hieß es wieder: ruhigstellen, ruhigstellen und nochmals ruhigstellen. Für die folgenden sechs Wochen war absoluter Leinenzwang und Ruhe angesagt. Die traurigen Hundeaugen, die den gleichaltrigen Chester beim Toben verfolgten, werden mir immer im Gedächtnis bleiben. Es war für alle eine harte Zeit, denn so einen jungen Hund ständig an der Leine und ruhig zu halten kostet Kraft und Nerven. Seine Genesung schritt nur sehr langsam voran und jede kleine Lahmung nahm uns ein Stückchen Hoffnung. Trotzdem war nach sechs langen Wochen eine sehr deutlich Besserung zu sehen und wir "trainierten" mit ihm das Gehen. Von einer Runde im Garten zu 5 Runden. Der erste Spaziergang um die Kirche (ca. 10 min) glich einem Sieg. Von da ab ging es aufwärts.
Und trotzdem: Zorro erhält sein Futter ab da nur aufs Gramm genau, um möglichst wenig Gewicht auf die Gelenke zu bringen. Er bekam teure Zusatzpräparate (Cosequin Tabs).
Wir waren sehr sehr traurig. Und wir begannen, den Hund mit Samthandschuhen anzufassen, weil man möchte, dass er ein langes Leben hat. Aber wir lernten, dass das der falsche Weg war.
Unser jetziger Tierarzt gab uns den Rat, ihn regel- und gleichmäßig am besten im Trab zu bewegen. Ich begann mit ihm also das Training am Fahrrad. Zuerst nur sehr kurze Strecken, dann wurde sie kontinuierlich gesteigert. Je mehr er lief, desto sauberer wurde sein Gang und umso härter die Gelenke und Bänder. Heute benötigt er keine Zusatzpräparate mehr und läuft voll integriert im Rudel mit, inklusive tägliche Rangeleien mit Chester.
Neulich begann ich mit Zorro das Tragen von Hundepacktaschen zu trainieren. Natürlich sind diese leer und werden es auch bleiben. Das Training festigt seinen Rücken und fordert sein Selbstvertrauen. Er kommt sich nun wichtig vor und glaubt, dass er arbeiten darf. Für einen Hofhund ist das sehr wichtig und gibt ihm viel Lebensqualität.
Ich kann allen Betroffenen nur empfehlen nicht zu verzagen und den Hund so gut es geht, weiter zu bewegen. Bewegung ist die beste Medizin. Es ist wichtig, solchen Hund im Rudel nicht gesondert zu behandeln oder gar zu isolieren. Er muss genauso ein vollwertiges Rudelmitglied sein dürfen, wie alle anderen auch!


Ich empfehle zur weiteren Lektüre „Hunde – Physiotherapie“ von Beate Warnat und Dorothee Kühnau.

Quelle: „Hundekrankheiten von A – Z“ von Dr. med. vet. Hildegard Jung und Dr. med. vet. Andrea Obermüller


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